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Stimmen in der Presse zu schwullesbischen Themen:

Pink Poms: Europameister mit silbernem Top und schwarzem Leder-Mini

Das waren die Eurogames 2004 - Ein Rückblick

FDP-Chef Westerwelle präsentiert seinen Freund bei einem Empfang in Berlin

Wie schwul ist Deutschland?

CSD Berlin

Europride Hamburg - Nordlichter im Ausnahmezustand

Reis für die Insel

Sweet Sixteen?

 


 

Pink Poms: Europameister mit silbernem Top und schwarzem Leder-Mini

Der kölsche Sport ist doch noch erstklassig: Gekleidet im Siebziger-Jahre-Look (Top in Silber, Leder-Mini in Schwarz) und mit der Musik der schwedischen Kultband ABBA gewannen die Pink Poms bei den Eurogames 2004 am vergangenen Wochenende in München den Titel des Cheerleading-Europameisters. In der übervollen Alabamahalle verwiesen sie mit ihren beiden Tänzen "Studio 54" und "Mamma Mia" die starke Konkurrenz aus Paris, Hannover, Stuttgart und Berlin auf die Plätze. Das einzige Frauenteam kam aus Münster. Es belegte wegen einer bedauerlichen Panne im Akrobatik-Teil nur den fünften Platz. Gegründet von Ralf Altenhofen nach einem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten Anfang der Neunzigerjahre, waren die Pink Poms die erste männliche Cheerleadinggruppe Europas. Organisiert als Abteilung des schwullesbischen Kölner Sportvereins SC Janus, verstehen sich die Puschel-Künstler als "Botschafter für schwule Lebensart" auch über die Grenzen der Domstadt hinaus. PAB

taz Köln Nr. 7425 vom 3.8.2004, Seite 1, 15 Zeilen (TAZ-Bericht), PAB


Das waren die Eurogames 2004 - Ein Rückblick

Von ddp-Korrespondent Georg Etscheit - München

Schauspielerin Ulrike Folkerts ist mit ihrem Ergebnis überhaupt nicht zufrieden: nur ein vierter Platz in der Schwimmdisziplin über 50 Meter Rücken. "Aber bei der Staffel haben wir noch Chancen", tröstet sich die «Tatort»-Kommissarin. Die Schauspielerin mit dem prägnanten Oberarm-Tattoo ist prominente Teilnehmerin der IX. Eurogames in München, der größten lesbisch-schwulen Sportveranstaltung Europas. Fast 5.400 homosexuelle Athleten aus 28 Ländern sind von Donnerstagabend bis Sonntag in die bayerische Landeshauptstadt gekommen.

Auf den ersten Blick sind die Eurogames eine ganz normale Breitensportveranstaltung. Bei den mehr als 200 Wettkämpfen in 26 Disziplinen gelten international verbindliche Regeln. Auch die Liste der beliebtesten Sportarten offenbart kaum signifikante Abweichungen vom Mainstream. Unter den Top zehn an erster Stelle: Fußball, gefolgt von Volleyball, Leichtathletik, Schwimmen und Badminton.

Synchronschwimmen als Männerdomäne

Die Unterschiede zeigen sich eher im Detail. Frauen sind in der Disziplin Fußball mit etwa 60 Prozent eindeutig in der Überzahl. Das Synchronschwimmen - normalerweise eine Frauendomäne - ist dagegen hier reine Männerdomäne. Augenfällig wird der "kleine Unterschied" beim Tanzen - wenn Männer mit Männern und Frauen mit Frauen übers Tanzparkett schieben. Bei den internationalen Wettkämpfen sind nur gemischte Paare zugelassen.

Frauenfußball ist schon lange eine ziemlich normale Angelegenheit und nicht erst, seit die deutsche Frauennationalmannschaft den Weltcup holte. Dass mindestens die Hälfte der Mitglieder der Nationalelf Lesben sind, davon ist die 25-jährige Christine, die mit einer Frauenmannschaft aus Stuttgart an den Eurogames teilnimmt, fest überzeugt. Der DFB verhindere bisher ein Selbstouting der Fußballerinnen.

Welt des Sports immer noch eine Domäne der Homophobie

Während Homosexualität in weiten Teilen der Gesellschaft zunehmend als normal wahrgenommen wird, scheint die Welt des Sports immer noch eine Domäne der Homophobie zu sein. Diskriminierung sei im Sport immer noch an der Tagesordnung, heißt es in einer von der European Gay and Lesbian Sport Federation (EGLSF) in Auftrag gegebenen Studie, die am Rande der Eurogames verbreitet wurde. Schwule und Lesben fühlten sich in «normalen» Sportclubs nicht zu Hause. In Umkleideräumen seien verbale Attacken gegen Homosexuelle keine Seltenheit.

Auf der anderen Seite bietet der Sport die Möglichkeit, letzte gesellschaftliche Bastionen zu schleifen. "Sport trifft mitten ins Herz der Gesellschaft. Wenn wir es schaffen, dort mit unseren Leistungen anerkannt zu werden, fällt es den Leuten schon mal schwerer, uns den Respekt woanders zu verweigern", sagt der kanadische Schwimmer Mark Tewksbury, der 1992 in Barcelona eine Goldmedaille gewann und in München für einen offenen Umgang mit Homosexualität unter Sportlern wirbt. Er glaubt aber, dass es wohl noch einige Jahre dauern wird, bis Homosexualität auch im Sport eine Selbstverständlichkeit ist.

Spaßfaktor an erster Stelle

Ob sich dann Großevents wie die Eurogames erledigt haben, wie es die zur Eröffnung angereiste Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) glaubt, ist fraglich. Ulrike Folkerts ist davon nicht überzeugt. Für sie wie für viele Teilnehmer der Eurogames steht aber der Spaßfaktor, das Zusammensein mit Gleichgesinnten, eindeutig an erster Stelle. (win/ddp).



Bild.T.online.de
21.07.2004

FDP-Chef Westerwelle präsentiert seinen Freund bei einem Empfang in Berlin

Berlins homosexueller Bürgermeister Klaus Wowereit ist einer unserer beliebtesten Politiker. Millionen Deutsche freuen sich ab heute auf den Kinofilm „(T)Raumschiff Surprise“, in dem schwuler Humor im Mittelpunkt steht.

Wie schwul ist Deutschland?

„Es gibt nicht mehr Schwule als früher“, sagt Klaus Jetz (41), Sprecher des Schwulendachverbandes LSVD. „Nur sind wir heute viel akzeptierter und in der Öffentlichkeit sichtbarer

Allerdings: Zum „Christopher Street Day“, der bunten Schwulenparade in Köln, kamen dieses Jahr über 1 Mio. Zuschauer.
Regenbogen-Flaggen (Jetz: „Ein Symbol für die Vielfalt unserer Szene“) wehen sogar vor Rathäusern. In Großstädten gibt es Viertel mit komplett schwuler Infrastruktur. Vom Café über den Zahnarzt bis zum lesbisch-schwulen Altersheim.

In Köln und Berlin ist jeder Zehnte schwul. Längst bekleiden sie Spitzenpositionen in vielen Branchen. Es gibt kirchliche und politische Homosexuellen-Verbände („Schwusos“). Die Werbung umgarnt sie, viele Vermieter bevorzugen sie (kein Kinderlärm).
Es war ein langer Weg für die Schwulen in die „Normalität“: Vor 60 Jahren steckten die Nazis Homosexuelle ins KZ. Noch vor 20 Jahren stolperte Bundeswehr-General Kießling über den (unbegründeten) Verdacht der Homosexualität.

In den 80er-Jahren wurde Aids als „Schwulen-Seuche“ verunglimpft. Auch deshalb war der erste TV-Kuss zwischen Männern in der „Lindenstraße“ (1990) noch ein Skandal. 1994 lachte die Republik schon über die Schwulenkomödie „Der bewegte Mann“, später über Bully Herbigs „Schuh des Manitu“. Berührungsängste schwanden, „warm sein“ galt plötzlich als „cool“.

Heute geben sich Homopaare das Jawort. Immer mehr Prominente outen sich, können sogar (wie Schlagerstar Patrick Lindner und sein Lebensgefährte Michael Link) ein Kind adoptieren.
Besonders befreiend auf die Szene wirkte das Bekenntnis von Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (2001) live im Fernsehen: „Ich bin schwul – und das ist auch gut so.“
Riskieren Politiker mit dem Outing ihre Karriere? Lothar Probst (51), Politologe an der Bremer Uni: „Im Gegenteil: Sie punkten mit ihrer Offenheit beim Wähler. Wer Schwule hingegen diskriminiert, stellt sich heute ins gesellschaftliche Abseits.“  


CSD Berlin

BZ Berlin 27.06.04

Herrlich schriller CSD! Der Christopher Street Day lockte 400 000 Feierwütige an die Spree - und die wollten natürlich auch nach der Parade noch kräftig weiterfeiern!

Hotspot Nr. 1: Die Siegessäule, wo der Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, 50, Star-Visagist René Koch, 58, und Jimmy Somerville ("Bronski Beat") bei der großen Abschlussveranstaltung mit Hunderttausenden feierten.

Hotspot Nr. 2: Die Arena Treptow. 3000 Partygänger waren bei der offiziellen CSD-Party. Mittendrin: Entertainerin Desirée Nick, 43.

Hotspot Nr. 3: Der Sage Club in Kreuzberg. Bei "Sound of Sage - CSD Special" legte DJ ENO-C auf. Die bildschöne Holländerin versteht was von Musik, und modelt auch noch nebenher. Die lesbischen Party-Häschen waren ganz begeistert von dieser coolen Kombination.

Hotspot Nr. 4: Das "Kino International" und das "Café Moskau". Weil die beiden Clubs an der Karl-Marx-Allee gemeinsam feierten herrschte dort zwischen den beiden Gebäuden bis in die frühen Morgenstunden reger Verkehr. Übrigens: Auch Sonntag war die Party noch nicht beendet. Tagsüber wurde im KitKat-Club gefeiert, und abends lockten wieder Sage und WMF...


Europride Hamburg - Nordlichter im Ausnahmezustand

Siegessäule
www.siegessaeule.de

Der homo europridus ist eine spezielle Gattung des gemeinen homo sapiens sapiens, wobei noch nicht ganz erforscht ist, ob beide zur selben Gattung zählen. Jedes Jahr im Sommer trifft sich eine beträchtliche Anzahl des homo europridus zu einem an ein Balzritual erinnernden Massenauflauf. Hierzu ziehen sie sich entweder sehr bunt an oder bis auf einige wenige Stoffteile fast völlig aus. In der Fachsprache wird dieses Ereignis Europride genannt. Wer Zeuge oder Teilnehmer des Spektakels werden will, muss jedoch auf der Hut sein, denn es findet jedes Jahr an einem anderen Ort Europas statt...

Grenzenlose Liebe möchten die Hamburger auf dem diesjährigen Europride praktizieren. Aber Paarung ist nicht das alleinige Ziel der Veranstaltung, schließlich ist der CSD an sich ja politisch. Der europäische Christopher Street Day nimmt die EU-Osterweiterung zum Anlass, sich „Love breaks Barriers“ auf die Fahnen zu schreiben. Denn in vielen osteuropäischen Ländern sind Homophobie und gewaltsame Übergriffe auf Homosexuelle nach wie vor an der Tagesordnung. Dabei müssen wir gar nicht über die Landesgrenzen hinausschauen, um dergleichen zu sehen. In dem bayerischen Städtchen Altötting musste die zum ersten Mal geplante CSD-Parade wegen massiver Drohungen von Rechtsradikalen und von fundamentalistischen Katholiken abgesagt werden.

Vom 4. bis 13. Juni wird Hamburg nun also zur Heimat des homo europridus. Zehn Tage, die mit einem vielfältigen Programm reich gefüllt sind. An den beiden Wochenenden finden Straßenfeste mit jeder Menge Bühnenprogramm statt: am 4. und 5.6. auf dem Spielbudenplatz und am 11. und 13.6. auf Hamburgs beliebtester Flaniermeile, dem Jungfernstieg. Nach der glamourösen Eröffnungsfeier im Schmidts Tivoli gibt es jeden Tag ein großen Angebot an Partys und kulturellen Events. Die Lesbischschwulen Filmtage Hamburg zeigen traditionell je einen schwulen und einen lesbischen Film, und das Internationale Kurzfilmfestival Hamburg lockt am 11. Juni ins Metropolis mit den „Queer Quickies“ und verspricht einen „rasanten Ritt durch 20 Jahre des queeren Kurzfilms“. Bei all der Kultur und Politik ist natürlich auch für die Möglichkeit gesorgt, sich zu paaren. So gibt es auch jede Menge Sexpartys – übrigens auch für Frauen. cd


Reis für die Insel

Siegessäule
www.siegessaeule.de

Mit dem schwullesbischen Reiseverhalten hierzulande ist das so eine Sache. Während beispielsweise amerikanische Homos gerne zu Tausenden gemeinsam in Vergnügungsparks pilgern oder Kreuzfahrten machen, sind die Deutschen bekanntermaßen Anhänger des Individualtourismus. Der Flug kommt dann aus einem Last-Minute-Büro, das Hotel aus dem „Spartacus“ oder beides zusammen aus dem asexuellen Neckermann-Katalog. Nur wenige lassen sich ihr Homoreisepaket auch von denen, die sich auskennen, zusammenstellen: vom schwullesbischen Reisebüro. Und so kommt es zur Diskrepanz zwischen immer wieder durchgeführten Studien (wie beispielsweise die SIEGESSÄULE-LeserInnenanalyse), die die Reisefreudigkeit von Schwulen und Lesben belegen, und dem tatsächlichen Angebot auf dem schwullesbischen Reisemarkt.

Ja, bei den erholsamen Wochen im Jahr handelt es sich tatsächlich um einen gigantischen Markt, um ein Milliardengeschäft, dessen Umsätze nicht zuletzt auf der „Internationalen Tourismus Börse“ (ITB) vom 16. bis 20. März auf dem Berliner Messegelände gemacht werden. Auf der bedeutendsten Reisefachmesse der Welt werben nun seit einigen Jahren auch schwullesbische Reiseziele um die Gunst bei Veranstaltern und Touristen. Mit einem gemeinsamen Stand sind beispielsweise die Homometropolen Berlin (mit CSD und Stadtfest) und Köln (mit „Europride 2002“), diverse Hotels und Reisebüros und sogar die Städtewerbung des nordenglischen Manchester vertreten. Dieser Stand, für seine 60 Quadratmeter Größe vielleicht etwas übertrieben „Gay & Lesbian Travel EXPO“ genannt, ist ein erneuter Versuch, die eigentlich für die Reisebranche äußerst attraktive Homozielgruppe etwas mehr ins Bewusstsein zu rücken.

Glücklicherweise haben wir es mit unserem Insel-Special etwas einfacher als die Reisefachleute. Auf den folgenden zehn Seiten gibt’s keine Zielgruppen, Märkte und Kontingente, sondern lediglich neun spannende, erholsame oder einfach mit einem Wort: traumhafte Inseln. Und bei diesem SIEGESSÄULE-Inselhopping geht es sogar einmal um die Welt, schließlich beginnen wir vor der Haustür auf der Pfaueninsel und reisen dann über Hiddensee, Bornholm, Ibiza, Lesbos, Malta, Island und Cuba zu den obligatorischen Gay Games nach dem von uns vom Kontinent zur Insel degradierten Australien.
Wie ihr da hinkommt und wo ihr da übernachtet, fragt ihr am besten das Homoreisebüro eures Vertrauens. Und diesmal bitte Finger weg vom Neckermann-Katalog! pp


Sweet sixteen?

Siegessäule: 28.12.2001

Der Nachwuchs hat es noch immer schwer, wenn das Bewusstsein erwacht, „anders als die anderen“ zu sein. Trotz schwulem Bürgermeister und scheinbar wachsender Akzeptanz in der Gesellschaft ist das Coming-out vor Freunden, in der Familie und in der Schule ein seelischer Härtetest, der schnell zum Spießrutenlauf werden kann.

1999 veröffentlichte das Berliner Referat für gleichgeschlechtliche Lebensweisen eine „Studie zur psychosozialen Situation junger Lesben, Schwuler und Bisexueller in Berlin“. Vor allem ein Ergebnis schreckte damals auf: die Vermutung, dass jugendliche Lesben und Schwule vier mal stärker selbstmordgefährdet sind als ihre Heteroaltersgenossen. Seit dem Sommer gibt es auch bundesweite Daten – allerdings nur zur Lebenssituation junger Schwuler. Danach hat jeder Zwölfte einen Selbstmordversuch hinter sich. Die neue Untersuchung stammt von der schwullesbischen Forschungsgruppe am Institut für Psychologie der Uni München. Aus methodischen Gründen (Mittelschichtlastigkeit, fehlende Grundgesamtheit) ist das Ergebnis nicht repräsentativ, die 353 ausgewerteten Fragebögen bieten aber eine interessante Momentaufnahme.

Das Coming-out findet in der Regel zwischen dem 14. und 17. Lebensjahr statt. In diesem Alter kämpfen die meisten Schwulen mit Einsamkeit und Identitätsproblemen. Zwar hat sich die Angst vor dem Wissen, schwul zu sein, in den letzten 30 Jahren nicht verändert, Heranwachsende unter 20 zeigen heute aber nach dem Coming-out deutlicher, dass sie stolz auf ihr Schwulsein sind. In Sachen Liebe und Partnerschaft sind Schwule Spätzünder. Während Heterojungs mit durchschnittlich 16,8 Jahren die erste feste Freundin haben, wagen junge Schwule erst mit 19,3 Jahren, eine Partnerschaft einzugehen.

30 Jahre Schwulenbewegung haben Spuren hinterlassen: Bei der Untersuchung von Dannecker/Reiche („Der gewöhnliche Homosexuelle“, 1974) zeigte sich, dass der Gedanke, vielleicht schwul zu sein, fast mit dem ersten schwulen Sex (mit 15,8 Jahren) zusammentraf. Das Coming-out erfolgte dann aber erst viel später – mit durchschnittlich 18 Jahren. Heute lassen sich schwule Kids mit ihrem ersten Homosex Zeit, bis sie 17 sind, obwohl ihnen der Gedanke, schwul zu sein, früher kommt (12,8 Jahre, Coming-out mit 16). Homosex ist heute also nicht mehr zwangsläufig die erste Begegnung mit der schwulen Welt. Wenn es dazu kommt, ist der „erste Mann“ rund sechs Jahre älter (bereinigt um pubertäre Spiele) – ein deutlicher Unterschied zu den Heteros (1,3 Jahre). 14 Prozent hatten ihren ersten Sex gar mit einem Mann, der zehn oder mehr Jahre älter war.

> Auf Klassenfahrt im Einzelzimmer

Erschreckend hoch ist die Zahl der Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen. Kein Wunder also, dass über zwei Drittel der Befragten der Meinung sind, dass sie wegen ihres Schwulseins mit größeren Belastungen fertig werden müssen als gleichaltrige Heteros. Sticheleien von Klassenkameraden, Schwulenwitze, Beschimpfungen bis hin zu körperlicher Gewalt machen es den Kids schwer, ein positives Verhältnis zu ihrer sexuellen Identität zu entwickeln. Von ihrer homophoben Lebenswelt, die vor allem durch Schule, Familie und Vereine bestimmt wird, haben die Jugendlichen keine Unterstützung zu erwarten. Vor allem die Schule, der sie sich nicht entziehen können, versagt hier völlig, und die wenigste Hilfe für junge Lesben und Schwule kommt von Lehrerinnen und Lehrern.

Heiko Kleyböcker vom Jugendnetzwerk Lambda sieht dringenden Handlungsbedarf. Mit einer Befragung hat Lambda im vergangenen Jahr einzelne Fälle von Diskriminierung dokumentiert. Über Fragebögen und Internet meldeten jugendliche Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle anonym, was sie erlebt haben. Ein 19-jähriger Gymnasiast aus Berlin schildert die Reaktion eines Lehrers nach seinem Coming-out. Der Pädagoge war der Ansicht, dass der offene Umgang mit seiner Homosexualität ihm nur Ärger einbringe und „ein hohes Maß an Unprofessionalität“ offenbare. Der Vortrag schloss mit den zweideutigen Worten: „... es ist mir ja auch ganz egal, womit Sie Ihr Taschengeld aufbessern.“ Schulleiter und Tutorin warben nach einer Beschwerde des Schülers um Verständnis („Sie müssen den ironisierenden Humor des Kollegen eben verstehen lernen.“) und weigerten sich, etwas zu unternehmen. Ein 16-jähriger Berliner Realschüler berichtet gar, dass er nach seinem Coming-out geschlagen, misshandelt und angezündet wurde.

Kleyböckers Forderung ist deutlich: Berlin braucht endlich Schulen, die offen mit lesbischen, schwulen, trans- und bisexuellen Jugendlichen umgehen können und sie in ihrer Identität unterstützen. Die Konzepte dafür liegen in der Schublade.
Martin Franke